Ich gebe zu, daß ich recht aufgeregt bin, in dem Moment, in dem ich hier jetzt diese Zeilen schreibe. Das hier ist mein schönstes Kapitel, und ich merke, daß gerade ein paar Tränen auf die Tastatur tröpfeln. Dürfen sie auch, es sind kleine Freudentränen, die sich zu passender - oder auch peinlicherweise unpassender Gelegenheit - immer mal wieder den Weg aus meinen, mittlerweile wieder fröhlich glänzenden Augen, bahnen. 

 

Auch wenn seit vielen Monaten bei mir ein normaler Alltag eingekehrt ist, werde ich niemals das Grauen dieser hier beschriebenen drei Jahre vergessen. Es ist weit, weit im Hintergrund, aber wenn ich bei diesem trostlosen, kalten Wetter, (wir haben gerade Winter), aus meinem kuschlig warmen und gemütlichen zu Hause aus dem Fenster schaue, die kahlen Bäume halb im Nebel verschwunden in dem weißen, fast farblosen tiefhängenden Himmel, und es auch noch anfängt so fies zu nieseln, denke ich schon noch daran, wie ich warm eingepackt mit drei Pullovern, einer dicken Jacke und einer Wolldecke über den Beinen im Auto mein tristes Dasein gefristet habe. Ohne jede Hoffnung, traurig, am Ende. Aber diese Zeit ist nun vorbei. Ich schaue nach vorne, in die Zukunft. 

 

Was letztendlich genau die Heilung bewirkt hat, vermag ich nicht genau zu sagen. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus allem.

Das Wissen, was diese Angst ist und woher sie womöglich kommt und was sie im Körper auslöst war ein Teilchen in meinem Puzzle. Viele weitere Teilchen hat meine Online-Beraterin hinzugefügt, ein paar konnte ich aus der Gesprächstherapie mitnehmen. Wieder andere Teile haben Bekannte und Freunde hinzugefügt. Viele kleine Stücke, die ich vielleicht schon sehr lange mit mir herumgetragen habe, unfähig, sie zu sortieren und zusammenzusetzen.

 

(Und ich denke, ich habe einfach "losgelassen". Über dieses Wort bin ich in den Jahren immer wieder gestolpert, konnte aber nichts damit anfangen. Ich las in dem Zusammenhang Weisheiten wie sinngemäß  "Wenn Du willst, daß etwas immer mächtiger wird, bekämpfe es." Heute verstehe ich den Sinn sehr wohl. Es ist wahr).

 

Dieses Bild liegt nun vor mir, und das Grundgerüst, alle diese Stückchen erst einmal hinzulegen, und nachzuschauen, ob wirklich schon alle Teile zusammengetragen sind, hat mir mein Mann mit seiner endlosen Geduld und Liebe geschaffen.

 

Die Tiefenhypnose hat mir gezeigt, daß ich längst alle Teile habe, die ich brauche, um das Bild zusammenzusetzen, so daß sich mühelos alle Teile ineinander fügen, wenn ich nur endlich anfange, sie herauszusuchen und zu benutzen.

 

Wenn Du nun allerdings glaubst, daß ich jeden Morgen voller Glückseligkeit aus den Federn hüpfe, meinen Tag singend und pfeifend verbringe, weil ich ja endlich zu Hause bleiben kann, kennst Du die menschliche Seele nicht, zumindest nicht die meine. Sicher hat es mich in der ersten Zeit zutiefst befriedigt, in Ruhe meine Böden mit einem speziellen Reiniger zu feudeln und megakomplizierte Gerichte zu kochen, endlich alleine meine Lieblingsmusik zu hören, die meinem Mann oft Ohrensausen verursacht, das Sofa und die Kuscheldecke ganz für mich alleine zu haben, und stundenlang ungestört mit einer Freundin zu telefonieren. So war es aber nur in der ersten Zeit. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, daß einfach nur "zuhausebleiben" nun die nächsten zwanzig Jahre ausreicht, um vollends mit meinem Leben zufrieden zu sein. Allerdings unterlag ich da einem Irrtum. 

 

Auch mir geht es mittlerweile manchmal so, daß ich schlechte Laune habe, warum auch immer, daß mir der Haushalt auf den Keks geht, daß ich mir Fragen stelle. Wie geht es weiter, was kommt da noch, kommt da überhaupt noch irgendwas...? Und ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich gefragt habe: "War das alles? Dafür hast Du diese drei Jahre so gelitten?" 

 

Unverschämt, nicht wahr? Dachte ich zuerst auch, ich sollte froh sein, so weit gekommen zu sein, statt zu lamentieren und nun auch noch unzufrieden zu sein. Ich habe mich wirklich für diese Frage geschämt. 

 

Zuerst.

 

Aber ich bin auch nur ein Mensch, der weiter gehen möchte, nicht stehenbleiben, die vorhandenen Ressourcen vernünftig nutzen, einfach nur 

 

 

LEBEN!

 

 

 

 

 

Tschüß Angst!!