Fakt ist: Wenn einer der beiden Partner plötzlich an einer Angststörung erkrankt, wird die Beziehung auf eine sehr harte Probe gestellt. Wenn nicht ein grundsolides, tragfähiges Fundament vorhanden ist, kann es sein, daß die Beziehung zerbricht. Aus vielen Gründen. Dein Partner ist mit der Situation überfordert und sucht das Weite. Du hast im Laufe einer Therapie, die Du vielleicht machst oder gemacht hast, herausgefunden, daß Deine Partnerschaft, so wie sie war/ist, einen großen Teil Deiner Probleme verursacht hat. Du hast Dich verändert, und es "paßt" nicht mehr, egal, aus welchem Grund. 

 

Es ist immer traurig, wenn eine Trennung das Resultat und das Ergebnis der Ereignisse ist.

Dennoch - wenn Dein Partner gegangen ist, weil er nicht mehr kann oder mag, hast Du nicht allzuviel verloren, so sehr es auch schmerzt. Es ist/war eine schlimme Zeit, und nur für Sonnenschein brauchst Du ihn nicht, und auch nicht, wenn er so schwach konstituiert ist, daß er Dich im Stich lassen muß. 

 

Aber auch in einer gesunden Partnerschaft ist es kein Zuckerschlecken, diese Zeit durchzustehen. Es kann zu heftigsten Auseinandersetzungen kommen, weil bei beiden die Nerven blank liegen. Es werden Dinge gesagt, die man später zu tiefst bereut.

 

Ich habe das Glück, daß mein Mann mit mir diese Zeit zusammen durchgestanden hat. Ich hatte ihn letztendlich an meiner Seite. Aber das war nicht immer so, schon gar nicht am Anfang. Er verstand einfach nicht, was mit mir los war, hatte noch nie von Angststörungen gehört, sich nie damit beschäftigt. Ich konnte mich am Anfang nicht verständlich machen. 

In der ersten Zeit nahm er längeren Urlaub, damit ich in diesen Wochen gesunde. Es war ihm unverständlich, daß ein paar Wochen Entspannung nicht ausreichen, um "es" loszuwerden. Er schleifte mich wortwörtlich, als ich noch kaum bei Besinnung war, noch in tiefster Trauer und völlig "daneben", zu der schon erwähnten Beratungsstelle, zu dem erwähnten Therapeuten, der gerade noch einen Platz frei hatte, der mir aber zutiefst zuwider war. Ich stand unter größtem Druck und damit wurde alles noch schlimmer. Dennoch ging ich überall hin, ich hatte keine Wahl, wollte nicht kontraproduktiv sein und glaubte da auch noch an schnelle Hilfe.

 

Es hat bald ein halbes Jahr gedauert, bis mein Mann im Ansatz verstanden hatte, was mit mir los war, und ab da gab er mir die Zeit, die ich brauchte, wenn auch oft nur auf mein verzweifeltes Drängen, weil ich einfach noch nicht "soweit war".  Dennoch - er lernte mich als taffe Frau kennen, selbständig und fröhlich, nun war ich ein hilfloses Etwas, auf ihn angewiesen, von ihm abhängig. Es gab Zeiten, in denen ich ihn nur noch gehaßt habe. Dafür, daß ich von ihm abhängig bin, daß ich zu allem, was er gesagt hat, nur noch "ja" gesagt habe. Ich habe mich gedemütigt und klein gemacht, nur, damit er mich womöglich nicht verlässt. (Er hatte niemals diese Absicht, aber empfindlich, wie ich war, ohne jedes Selbstwertgefühl, hatte ich davor Angst). Es gab oft heftigste Auseinandersetzungen, ich habe in diesen drei Jahren so viel geweint, wie nie zuvor meinem Leben. Er womöglich auch. Gesehen habe ich es nie, gesagt hat er nichts. Es kamen von ihm Sätze wie: "Du bist schließlich krank, nicht ich, und das wird alles auf meinem Rücken ausgetragen!" Ich habe mich damals nicht wehren können, er hatte ja recht, aber ich war entsetzt, daß mein Mann sowas zu mir sagt, besser mich anbrüllt, was sonst gar nicht seine Art ist. Er ist der ruhige, besonnene Typ. In den drei Jahren haben mein Mann und ich unsere schlechtesten Seiten kennengelernt, unser bösestes Ich gezeigt, unsere hässlichsten Gesichter gesehen. Aber die Wunden sind bei uns verheilt und das Wissen, was wir zusammen geschafft haben, hat uns am Ende nur noch mehr zusammengeschweißt.