Während dieser drei Jahre haben mein Mann und ich versucht, den  Alltag außerhalb seiner Arbeitszeiten und freie Tage so normal wie möglich zu gestalten. Wir haben zusammen Urlaube im Ausland verbracht, haben an den Wochenenden kleinere Ausflüge unternommen, haben eben so normal wie möglich weitergemacht, versucht, die Zeit "im Auto" so gut es geht auszublenden. So habe ich mich von Frei zu Frei gehangelt, gequält, ausgehalten, bis wieder freie Tage kamen. Dennoch - auch die schönste Ablenkung wurde immer nur von einem Gedanken beherrscht - wie kann ich es danach schaffen, endlich zu Hause zu bleiben. Jeder Gedanke über die Schönheit einer Landschaft, den herrlich exotischen Geschmack eines Essens, die Wärme des Meerwassers oder den würzigen Duft eines Herbstwaldes wurde unerbittlich nur von diesem einen Gedanken gefiltert. Die Unruhe und Angst nahm mit jedem Tag zum Ende einer freien Zeit zu, bis letztendlich die ganze Erholung dahin war. Der Alltag im Auto hatte mich schon in seinen grausamen Klauen, noch bevor er wieder begonnen hatte. Ich schämte mich so sehr vor meinem Mann, der immer wieder bestrebt war, es mir so schön wie möglich zu machen. Ich schaffe einfach nicht, abzuschalten, im Hier und Jetzt zu bleiben. Im Hintergrund lauerte immer die Angst, bereit zuzuschlagen, mir all das Schöne, was ich erleben durfte, mit einem Tiefschlag wieder aus dem Leib zu prügeln. 

 

Wenn ich heute diese Fotos sehe, möchte ich nur noch heulen, um die verpaßte Gelegenheit, all das Schöne zu genießen. 

 

Kommen wir nun zu den "lieben Leuten, die alles wissen"... Familientreffen und anderen Feiern. Während dieser drei Jahre fanden diese Festivitäten mehr als genug statt, und am Liebsten wäre ich zu keinem einzigen Fest erschienen, hätte mich in ein Mauseloch verkrochen. Jeder wußte, was mit mir los war, keiner hatte den Mut, meinen Mann oder mich darauf anzusprechen, frei und offen. Stattdessen schaute ich in Gesichter, die mir sagten: "Guck mal, da kommt die Verrückte, die den ganzen Tag im Auto hockt, der arme Mann." Hinter dem Rücken wurde getratscht, getuschelt und gelästert. Ich bin nur meinem Mann zu Liebe mitgegangen, zähneknirschend und voller Komplexe. 

 

Ebenso ist es wohl mit den Kollegen meines Mannes gewesen, jeder wußte Bescheid, keiner hat etwas gesagt, für meinen Mann muß es die Hölle gewesen sein. 

 

Und daran bin ich allein Schuld. Es ist meine Schuld, daß mein Mann drei Jahre so unglücklich war. Ich bin schuld, daß wir drei Jahre unseres gemeinsamen Lebens so leiden mußten. Ich bin Schuld, daß wir so viel Geld für nutzlose Therapien verschwendet haben. 

 

Ich bekenne mich schuldig. Aber ich konnte nichts dafür. Ich war krank. Ich lag am Boden. Es tut mir unendlich leid. Aber ändern kann ich es nun nicht mehr. Es ist wie es ist, machen wir das Beste daraus... Ich habe mir verziehen.