Wenn Du diese Seiten alle gelesen hast, (hoffentlich sind Dir die Füße dabei nicht eingeschlafen), wirst Du Dich sicher mehr als einmal gefragt haben, warum ich so und nicht anders gehandelt habe, und warum ich nicht dies und das statt dem und dem versucht, gemacht und ausprobiert habe.

 

Rückblickend weiß ich natürlich, was ich falsch gemacht habe, und ich weiß jetzt, daß es schnellere und bessere Wege als meinen gibt, zu gesunden. Ich behaupte ja auch nicht, daß mein Weg der richtige ist, es ist eben nur mein Weg gewesen.

 

Wenn ich diesen Weg als Autobahn bezeichne, weiß ich, daß ich oft die falsche Abfahrt genommen habe, ich bin mehr als einmal im Kreis gefahren und ich habe mich mehr als einmal verirrt. Ich habe gestoppt, an Stellen, an denen ich hätte Gas geben müssen, ich habe die richtigen Ausfahrten in dichtem Nebel nicht gefunden. Ich habe zu oft und viel zu lange im Nirgendwo Pause gemacht. 

 

Ich hatte kein Navi, (auch keinen Beifahrer, der sich auskannte, er ist nur geduldig mitgefahren), sondern nur zig verschiedene Wegbeschreibungen, die ich mir selber zusammengesucht habe. 

 

Aber dennoch bin ich angekommen.

 

Nachtrag:

 

Ganz am Anfang wußte ich noch nicht, wie schwer es ist, bei einer Angststörung Hilfe zu bekommen. Ich war in dem Glauben, ich finde schnell einen Verhaltenstherapeuten, so wie es mir angeraten wurde. Spätestens, als ich in meiner Stadt und in fünfzig Kilometer Umkreis meistens nur einen Anrufbeantworter erreichte, auf dem gleich die Ansage ertönte, daß keine Therapieplätze auf Monate mehr frei seien, ahnte ich schon, welche Odyssee mir bevorstand, damit ich die Hilfe bekomme, die ich brauche. Und von der ich nur dachte, daß ich sie brauche. Ich konnte aber in meiner Situation nicht Monate warten, bis sich jemand mal bereit erklärte, mit mir zu arbeiten, also wich ich auf private Therapeuten, und was sich so dafür hielt, aus. Wir haben fast viertausend Euro für die ganzen Konsultationen ausgegeben, und es war nicht so, daß dieses Geld bei uns in der Portokasse lag. Zunächst habe ich ererbten Schmuck von meiner Mutter verkauft, und ein Gemälde. Mir schien es wichtiger, gesund zu werden, als diese Erbstücke in einer Schachtel aufzubewahren, ich würde diesen Schmuck sowieso niemals tragen. Als dieses Geld aufgebraucht war, haben wir auf neue Anschaffungen und größere Auslandsurlaube verzichtet, um weiterhin die so teuren Behandlungen bezahlen zu können. Einzig das Honorar des Tiefenhypnotiseurs war gut angelegt, niemals einen Cent bereut, er hat eine enorme Leistung gebracht, und mich nach den Hypnosen auch noch eine Weile gratis begleitet, solange ich es noch brauchte. 

 

Ich bin an einige Scharlatane geraten, an Spinner und Abzocker. Ich habe gelernt, daß "Vitamin B" unter Ärzten und Therapeuten zu deren Alltag und Geschäft gehört. Nach meiner Erfahrung hat sich kein Arzt wirklich Mühe gegeben, mir zu helfen. Die Sprechzeit war zu knapp bemessen, oder es gab die wohl heute "übliche Behandlung" - Beruhigungsmittel-kommen-Sie-in-vier-Wochen-wieder-auf-wiedersehen.

 

In den ganzen Jahren habe ich nur von einer einzigen Stelle kostenlose und kompetente Hilfestellung bekommen, wenn auch nur schriftlich und aus der Ferne. Aber es hat mir sehr geholfen, und diese Beraterin hat ihr Herzblut in diese Beratungstätigkeit gelegt. Ehrenamtlich. Leider wurde sie wegrationalisiert, an ihrer Stelle sitzen nun "Berater", die gleich auf Therapeuten und Ärzte verweisen. So kann ich hier an dieser Stelle nicht einmal mehr eine Webseite nennen, die hilfreich sein könnte.

 

Hätte ich schon früher gewußt, wie lange ich mich mit dieser Angst herumschlagen muß, hätte ich mir gleich am Anfang bei mehreren kassenzugelassenen Therapeuten Termine reserviert, es ist ja nicht gesagt, daß der erste gleich paßt, und die Krankenkassen erlauben, bis zu fünf Erstgespräche zu führen. Auch das war mir nicht bekannt. 

 

Wenn es Dich also "erwischt" hat, zögere auf keinen Fall und reserviere Dir Termine, rechne mit Wartezeiten, je nachdem, wo Du lebst, von sechs bis neun Monaten und mit sehr langen Anfahrtswegen, wenn vielleicht noch jemand "im Nebendorf" einen Platz frei hat und es mit Euch funktioniert. Rechne damit, daß die Therapie viele Monate dauern kann, hoffe darauf, daß sie Dir hilft, aber erwarte keine Wunder. Zaubern kann niemand.

 

Informiere Dich über Angststörungen, damit Du erst einmal weißt, was in Deinem Körper und in Deiner Psyche derzeit geschieht. Wissen ist schon die "halbe Miete". 

Wenn Du Dich entscheidest, einen privaten Therapeuten aufzusuchen, sammle soviel Informationen über ihn, wie Du bekommen kannst und prüfe sorgfältig. Nimm niemanden, nur weil er schnell Zeit hat und Dir verspricht, Dich in kürzester Zeit zu heilen. 

 

In diesem Sinne wünsche ich Dir alles Gute und vor Allem - Gesundheit. 

 

 

 Hier habe ich meine Zeit verbracht. 

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