Aus dem ganzen Material, mit dem ich während meiner Erkrankung beschäftigt habe, und aus den Therapiestunden konnte ich für mich nur sehr wenig Hilfreiches herausziehen, aber einiges ist doch hängengeblieben, weil es für mich schlüssig ist, nachvollziehbar und einfach nur wahr. Diese Punkte schreibe ich hier auf, vielleicht helfen sie Dir ja auch auf Deinem Weg, der noch vor Dir liegt. Ich halte es kurz in Stichworten, zu lange Essays werden doch nur wieder vergessen. Auf diese Weise sind mir diese Punkte jedenfalls im Gedächtnis geblieben und ich konnte sie bei Bedarf jederzeit abrufen.

 

Wenn Du Dir Dein Gehirn als Fabrik vorstellen kannst, in der der Chef ein gütiger, weiser, alter Mann ist, der dort alles kontrolliert, kannst Du Dir sicher auch vorstellen, daß dort den ganzen Tag Päckchen gepackt werden. Damit bei Dir alles reibungslos läuft, müssen die Päckchen alle gleich aussehen, nämlich z.B. blau mit einer gelben Schleife. Bei einem Angstanfall ist dem Chef ein Päckchen entgangen, was eigentlich nicht durchgelassen werden durfte, ein z.B. gelbes Päckchen mit roter Schleife. 

 

Angst entsteht letztendlich nur aus Gedanken. Aus völlig aus der Luft gegriffenen Katastrophengedanken, die jeder realen Grundlage entbehren. Und aus Gedanken werden Gefühle. Eben auch Angstgefühle. 

 

Die Angst ist nur ein Gefühl von vielen anderen Gefühlen in uns. Ein nicht so schönes Gefühl, wie die Liebe es ist, aber eben auch nur ein Gefühl. Nicht mehr und nicht weniger. (Pepe)

 

Das klare Denken ist der Tod der Angst. Auch Du kannst klar denken, Du bist nicht völlig irre, sondern immer noch Herr Deines Verstandes, auch wenn Dir Dein "Bauch" derzeit etwas anderes vorgaukelt.

 

Noch niemand ist bei einer Angstattacke durchgedreht oder hat den Verstand verloren. Schlimmstenfalls rennt man vielleicht zum Nachbarn oder in das nächste Geschäft, und wenn man selber nichts von "Angst" erzählt, tippen Fremde auf eine Kreislaufsache. 

 

 "Es ist alles nur in meinem Kopf..." Heute zaubert es mir ein Lächeln auf die Lippen, wenn ich den guten Andreas Bourani seinen Song schmettern höre. Damals allerdings hat er eine unumstößliche Wahrheit speziell für mich allein gesungen. Denn nichts anderes ist Angst. ".. alles nur in meinem Kopf"...

 

In der ganzen Zeit hat mir eine Online-Beraterin wirklich und wahrhaftig helfen können, nicht den "Finalen Schritt" zu gehen. Ich hatte einfach nur enormes Glück, daß ich auf diese Frau, "Pepe", gestoßen bin, die gratis in einer Beratungsstelle online tätig war. Ohne ihre unermüdliche Hilfe wäre ich vielleicht noch nicht soweit, wie ich jetzt bin. (Leider existiert diese wunderbare Hilfeseite in dieser Form nicht mehr, aber mit "Pepe" habe ich den Kontakt nicht verloren).

 

Ich startete noch einen Versuch mit Hypnose. Irgendwie hat mich das Thema nie ganz losgelassen. Vielleicht kann man ja doch nachträglich im Unterbewusstsein Dinge verändern? Die Ansätze bei der Ärztin waren ja gut, nur eben zu lange und damit imho unseriös. Der Zweite war eben ein Spinner, die Welt ist voll davon und dumm gelaufen. Sei es d`rum...

 

Diesmal sollte es eine Tiefenhypnose sein. Ich klickte mich im Internet durch und landete sehr schnell auf seiner Webseite. Das, was ich las, sprach mich sehr an, er sah sympathisch aus und seine Referenzen waren mehr als nur gut. Ich vereinbarte also einen Ersttermin und war begeistert, er war freundlich, fachlich kompetent, hatte Humor. Ich fand ihn "cool" im positiven Sinn. Mehr als drei Sitzungen bot der Hypnotiseur und Psychotherapeut in meinem Fall auch nicht an, er war der erste Private, der wirklich seinen Job sehr gut gemacht hat, und bei dem ich nicht das Gefühl hatte, abgezockt zu werden. Ich hatte bei ihm drei Dreifachstunden. Und ich merkte, wie es mir mit der Zeit tatsächlich besser ging. Bis diese Hypnose vollends"griff", dauerte es sehr lange, Monate, (er sagte gleich, daß es länger dauern kann), aber es hat anscheinend funktioniert. Diese Angst verschwand immer mehr im Hintergrund, meine Lebensfreude kam langsam wieder. Wahrscheinlich haben diese Hypnosen tatsächlich unmerklich für mich große Veränderungen zum Positiven bewirkt.

 

Zu guter Letzt fand ich durch Zufall irgendwo im Netz einen Artikel über Passionsblumenkraut. Keine Nebenwirkungen, nichts. Hurra! "Das ist was für mich, schaden kann es wenigstens nicht". Zwei Monate bin ich um diese Packung mit den Dragees geschlichen, ohne eines zu nehmen, bis ich eines Tages "todesmutig" eins geschluckt habe. Gemerkt habe ich anfangs gar nichts, es traten auch nicht die so krankhaft gefürchteten Nebenwirkungen auf, "die nur ich habe, die in keinem  Beipackzettel stehen, die kein Arzt kennt, und an denen ich sicherlich sterben werde". Im Gegenteil, es bekommt mir, und vielleicht hat das Kraut mir auch wirklich geholfen und hilft mir noch. Ich lege mich da nicht fest. Es kamen viele Faktoren nach und nach zusammen. Auch darüber schreibe ich auf den folgenden Seiten. Ich nehme die Dragees noch heute - "never touch a runnig system." 

 

Ich möchte und kann Dir nicht zuraten, es auch zu nehmen, vielleicht ist es für Dich nicht so gut, wie für mich. Und ich möchte Dir auch nicht dazu raten, diese Hypnose zu machen. Jeder Fall liegt anders, was für mich gut war und ist, kann Dir vielleicht "den Rest geben". Ich weiß es einfach nicht. 

 

Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, mich abzugrenzen, auch mal deutlich "Nein" zu sagen, Menschen, die mir nicht guttun und die ich nicht mag, zu meiden, wenn es irgendwie machbar ist. Menschen, die mir meine Energie rauben, sehr schnell aus meinem Leben zu kicken. Ich lernte, meine Meinung zu vertreten, lernte, mich nicht mehr kleinzumachen. Mit anderen Worten - ich wurde wieder selbstbewusster. 

 

Immer wieder ist mir der Satz untergekommen, die Angst als "lieben Freund zu begrüßen, der eben manchmal ein wenig aufdringlich ist". Mag sein, daß diese Einstellung für einige Betroffene hilfreich ist. Für mich war es das nie. Für mich ist es ausgemachter Schwachsinn, etwas, daß mir beinahe mein ganzes Leben zerstört (hat), als lieben Freund zu begrüßen. Ich wollte "es" immer nur loswerden. Wäre ja noch schöner, wenn ich mich, noch klar bei Verstand, mit etwas verbünde, was so zerstörerisch wütet wie Angst, ein böser Dämon, der mittlerweile Hunderttausende heimgesucht hat und immer mehr Opfer findet.

 

Ein Dämon, der ein Hirngespinst ist, den niemand außer mir fühlen konnte.  Als mir das so richtig klar wurde, begann langsam meine Heilung. Es liest sich so leicht, ist aber unglaublich kräfteraubend, erst einmal dahin zu kommen.

 

"...alles nur in meinem Kopf....."   

 

Das sind u.A. einige Dinge, die mich wieder in die Spur gebracht haben. Der wichtigste Faktor fehlt allerdings noch - es ist die Zeit. Angstzustände verschwinden in der Regel nicht in ein paar Tagen "einfach so". Es braucht viel Geduld, Zeit und vor allem Kraft, die Du vielleicht gar nicht mehr hast. Aber mehr dazu auf der Seite: "Mit dem Rücken zur Wand".