Meine Odyssee um Hilfe begann zwei Wochen nach der Katastrophe, (Mit dem Rücken zur Wand), bei der ortsansässigen telefonischen Krisenintervention. Ich erreichte die diensthabende Dame auf ihrem Handy beim Autofahren. Nachdem ich ihr kurz meine Situation erklärt hatte, meint sie wörtlich: "Suchen Sie sich einen Verhaltenstherapeuten. Ich kann jetzt nichts machen, aber sie werden an ihrer Angst nicht sterben." Das war die Krisenintervention.

 

Ich wendete mich an einen Verhaltenstherapeuten, der zufällig noch einen zeitnahen Termin frei hatte. (Heute weiß ich auch warum er nicht ausgebucht war, wie alle anderen in meiner Stadt, die auf Kassenkosten tätig sind). Auch hier erläuterte ich kurz meine Lage, und der erste Satz, den er zu mir im Singsang sagte war: "Ding dong, die Hex` ist tot". Schön sowas, wenn man noch in tiefster Trauer ist und nicht mehr ein- noch aus weiß. Natürlich wurde ich dort nicht mehr vorstellig.

 

Inzwischen hatte meine damalige Hausärztin einen kurzfristigen Termin für mich bei einer Psychiaterin ausmachen können. Auch hier schilderte ich kurz, (sie hatte es offensichtlich eilig), meine Misere und sie verschrieb mir nach genau fünf Minuten Audienz ein starkes Beruhigungsmittel, ich solle es nach Vorschrift einnehmen und in vier Wochen wiederkommen. "Auf Wiedersehen Frau Xxx." Nicht einmal meinen Namen konnte sie sich für fünf Minuten merken.

 

(Anmerkung: Ich habe nie diese immer wieder verordneten Tabletten genommen, und auch keine anderen verschreibungspflichtigen Medikamente, die (angeblich) gegen Angstzustände helfen sollen. Meine Angst vor möglichen Nebenwirkungen war viel zu groß, zudem ist es eine Lüge, wenn behauptet wird, daß diese Medikamente nicht abhängig machen. Es wird dann eben anders ausgedrückt, als "Gewöhnungseffekt". Sicherlich sind jene Medikamente, so es denn nicht hammerharte Benzodiazepine sind, nicht so schwer auszuschleichen wie diese, aber ich weiß, wie schwer es ist, und wie leidvoll es sein kann, auch diese angeblich "harmloseren" Pillen loszuwerden. Aber das muß jeder selber entscheiden, wenn zeitweise Medikamente nötig sind, ist es nicht zu ändern, vielen Betroffenen helfen sie sehr gut). 

 

Mein nächster Weg führte mich in unserer Stadt zu dem ortsansässigen "Psychiatrischen Dienst", ich wußte einfach nicht mehr, wohin ich mich wenden sollte, Kassentherapeuten sind hier mit einem halben Jahr Vorlauf komplett ausgebucht. Dort saß ich dann wie ein Missetäter vor drei Damen, die mir einstimmig rieten, ja nicht in eine Klinik zu gehen, da das Grauen dort meinen Zustand sicher noch verschlimmern würde. Aber ich solle meine Tabletten von der Psychiaterin einnehmen. Das Gespräch - oder besser Verhör - dauerte 15 Minuten und ich durfte mit der Info gehen.

 

Schon mit den Nerven am Ende wandte ich mich dann an eine privat praktizierende "Systemische Therapeutin". Sie war sehr freundlich und aufgeschlossen gegenüber meiner Problematik. Sie war sehr bemüht, allerdings merkte ich, wie sie nach ein paar Stunden an ihre Grenzen stieß. Ich nahm noch sechs weitere Stunden bei ihr. Es war meine erste "richtige" Therapie, es gefiel mir, zu erzählen und ein fundiertes Feedback zu bekommen. Als ich allerdings einmal in Tränen aufgelöst in ihre Praxis kam, war sie völlig überfordert. Auf mein: "Ich kann nicht mehr!" fragte sie mich lediglich, was mir denn helfen würde. Dazu gab es für mich nichts mehr zu sagen und sieben mal siebzig Euro waren futsch - und ich keinen Schritt weiter.

 

Als nächstes suchte ich eine Ärztin auf, die sich seit einigen Jahren auf Hypnotherapie nach M.E. spezialisiert hatte. Neunzig Euro pro Stunde. Ich dachte mir, egal, wenn es nur hilft. Das Gefühl in Trance war angenehm, einiges konnte ich tatsächlich durch und in der Hypnose aufarbeiten und es ging mir besser, gut allerdings noch lange nicht. Insgesamt habe ich bei ihr dreißig Stunden genommen, die nach der zehnten Stunde schon nichts mehr bewirkt haben. Meiner Meinung nach hätte sie das sehen müssen und mich nicht noch zwanzig Stunden lang wie eine Weihnachtsgans ausnehmen. Zudem habe ich durch diese Frau über ein Jahr verloren, in dem ich schon eine sinnvolle Therapie hätte beginnen können, oder mich in der Zeit wenigstens bei einem kassenzugelassenen Therapeuten anmelden.

 

Irgendwann später begab ich mich zu einem zweiten Psychiater, ich hatte schon innerhalb von sechs Wochen einen Termin bekommen. Nach einer Exegese meiner derzeitigen Lebensumstände meinte er, wie traurig das alles sei und zückte seinen Rezeptblock. Mehr könne er nicht für mich tun, ich sollte in vier Wochen wiederkommen. Aber er kennt eine hervorragende Verhaltenstherapeutin, die auch schnell Termine vergeben kann. Aber leider, leider hat sie keine Kassenzulassung... Den Rest hörte ich beim Hinausgehen schon nicht mehr richtig.

 

Tief im Innersten immer noch davon überzeugt, daß Hypnose hochwirksam ist, besorgte ich mir einen Termin bei einem zweiten Hypnotiseur, den ich im Internet gefunden hatte. Während des halbstündigen Vorgesprächs eruierte dieser Mann zunächst meine Einstellung zu Gott und er erklärte mir seine Philosophie, nämlich in der Art, daß keine Heilung möglich sei, wenn das Gehirn nicht mit dem Universum verschmelze und ähnlich für mich abstruses Zeug. Mit anderen Worten - er faselte. Irgendwie ritt mich da der Teufel, und ich sagte ihm, daß Astro- und Kernphysik meine Hobbys seien und ich nicht an Gott und auch nicht an Gehirnverschmelzung mit auch nur irgendwas glaube. Wenn böse und abfällige Blicke über meine impertinente Ignoranz Cocktailwürsten gewesen wären, wäre ich in dem Moment pappsatt gewesen. Nunja, dachte ich, vielleicht kann er trotzdem gut hypnotisieren, und hörte dann nur noch mit halbem Ohr zu, als er von der "Feinstofflichkeit der Seele", von "Zeitstrahlreisen" und dergleichen referierte. Zu guter Letzt gab er mir einen Stick mit drei Videos mit, die ich mir bitte ansehen solle, bevor ich mich bei ihm in Behandlung begäbe. Gesagt, getan, ich war sehr gespannt, was auf diesen Videos zu sehen war und hoffte schon auf unumstößliche Weisheiten, die nur er parat hat. Zu sehen bekam ich allerdings Videos über Kornkreise, Bewußtseinstransformation und Energiewellen. Diese Videos werden hergestellt von einer obskuren Sekte. Wenn man tiefer nach der Herkunft forscht, ist es herauszufinden. Ich schickte den Stick per Post ohne Anmerkung zurück und zahlte auch die Rechnung über sechzig Euro für das Erstgespräch ohne Anmerkung. Wenn ich heute an diesen Menschen denke, muß ich trotz des Frustes breit grinsen und es überkommt mich das unwiderstehliche Verlangen, ein langsames "Ooooommmmmm" zu brummen...