Tiefer konnte ich nicht mehr sinken, es war mir wirklich alles und jeder egal. Also warum nicht den Versuch starten, nicht mehr mitzufahren? 

 

An folgenden Morgen frühstückte ich mit meinem Mann, besser ausgedrückt würgte ich einen halben Toast hinein, legte meine Sachen bereit, packte meine Autotasche und - blieb daheim. Ich hatte mein schlimmstes Schreckenszenario vor Augen, aber diesmal war es mir einfach egal.

 

Ich weiß bis heute nicht, was da in mir passiert ist. Ich sehe mich noch fröhlich meinem Mann aus dem Küchenfenster nachwinken, wie "früher" Küsschen werfend. 

 

Angst? Ich hatte jemals Angst gehabt, wenn mein Mann zur Arbeit fährt? Wovor denn bloß? Alles, was ich fühlte, war Erleichterung. Mir fiel ein Zentnergewicht von meinem Herzen und zum ersten Mal seit "der Katastrophe" konnte ich wieder frei atmen. Ich weiß noch, daß ich fröhlich pfeifend den Küchentisch abgeräumt habe, nicht einen Gedanken mehr verschwendet an mögliche Angstanfälle. Welche Angst bitte? "Es gibt hier keine Krokodile!" Ich erinnere mich sehr genau daran, daß mir dieser Satz durch den Kopf schoß und mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Und so ging es weiter, bis heute. Natürlich pfeife ich nicht jeden Morgen, ich bin auch mal müde und habe keine Lust, mich zu irgendetwas aufzuraffen, bei schlechtem Wetter, Nebel und Regen schon gleich gar nicht, aber die Grundstimmung ist geblieben. 

 

Keine Angst mehr!  

 

Natürlich habe ich mich gefragt, wie lange ich völlig grundlos noch im Auto gewartet habe, wie lange schon alles hätte wieder gut sein können, aber letztendlich sind diese Fragen sinnlos, niemand wird sie beantworten können.