.. und zwischen den beiden steh`ich... 

 

Das so Schlimme an einer Angststörung ist meiner Meinung nach, daß Betroffene ganz genau wissen, daß diese Angst nicht begründet ist. Der Verstand sagt es, und dennoch ist es so unendlich schwer, wenn nicht gar zeitweise unmöglich, den "Bauch" zum Schweigen zu bringen. Das Bauchgefühl sagt Dir, daß eben doch "was Schlimmes, was Fürchterliches" passiert, wenn Du Dich Deiner Angst aussetzt. Alle Deine schlimmsten Befürchtungen könnten sich ja doch bewahrheiten, obwohl Du sicher weißt!, daß das keinesfalls eintreten wird. Du fühlst Dich hilf- und machtlos ausgeliefert, obwohl Dein Verstand messerscharf funktioniert und Dir klar "sagt", daß nichts passiert. 

 

Was passiert da? Warum ist das so? Eine Erklärung dafür finde ich schlüssig und daran glaube ich auch: diese Angst kommt aus dem Unterbewusstsein, und das ist bekanntlich immer der Sieger, wenn es zu einem Kampf zwischen Verstand und Unterbewusstsein kommt. Alles, was wir sind, denken, wie wir handeln, einige unserer wichtigsten Körperfunktionen steuert ausschließlich das Unterbewusstsein. 

 

Angst ist im Prinzip nichts anderes, als eine Aufschrei der Seele, eben des Unterbewusstseins, daß etwas in Deinem Leben nicht stimmt, oder daß etwas nicht gestimmt hat, und sich nun, warum auch immer, auf diese Weise Bahn bricht. Die Seele kann nicht sprechen, also bedient sie sich des einzigen Mittels, das man auf keinen Fall überhören kann - der Angst! Dazu reicht ein banaler Auslöser, oder es muß erst zu einer Katastrophe kommen, damit diese Angst "ausbricht".

 

Inwieweit es hilfreich ist, aufzudröseln, woher die Angst kommt, was vielleicht in der Kindheit oder sonst so verkehrt gelaufen ist, daß heute diese Beschwerden da sind, vermag ich nicht allgemein zu beurteilen. Ich habe im Rahmen der Hypnosen die Ursachen und Gründe aufdecken können, geholfen hat mir das allerdings zunächst in der akuten Phase nicht. Ich hatte immer noch Angst. So bezweifle ich auch, daß es bei einer Angststörung angebracht ist, den langen Weg der Psychoanalyse zu beschreiten. Es dauert u.U. Jahre, bis erste Erkenntnisse gesammelt sind, die in der Akut-Situation jedoch nicht hilfreich sind. 

 

Der meist verbreitete Ansatz, eine Angststörung zu behandeln ist wohl die Verhaltenstherapie. Sie soll sehr gut funktionieren, im Prinzip soll sich der Patient/Klient immer wieder mit seinem Angstszenario konfrontieren, bis er gelernt hat, daß ihm nichts passiert, außer vielleicht Angst und Panik. Allerdings finde ich, daß Angst und Panik durchaus nicht "nichts" ist. Unter Umständen fühlt er Todesangst. Ich stelle mir da die Frage, wie soll ein Mensch, der sowieso schon durch diese Angst kaum noch die Kraft zum Leben hat, diese Konfrontationen unbeschadet überstehen? Die Statistik nennt ca. sechzig Konfrontationen, bis Besserung eintritt. Es ist ein qualvolles, mühsames "Wegdressieren".

 

Letztendlich lehrt einen eine Therapie ja nichts anderes als - "Das klare Denken ist der Tod der Angst". Sicherlich werden in einer Therapie u.U. Missstände im jetzigen Leben aufgedeckt, Verhaltensänderungen bewirkt und gemeinsam mit dem Therapeuten nach Lösungen gesucht. Eine gute Sache, für diejenigen, die noch die Kraft haben, das alles durchzustehen, und für diejenigen, bei denen die Kraft zur Veränderung noch ausreicht.

 

Bei mir hat diese Kraft nicht mehr gereicht, und ich bin andere Wege gegangen. Und ich bin immer noch der Meinung, daß der Hauptfaktor zur Heilung die Zeit ist. "Die Zeit heilt alle Wunden". Es ist wahr. 

 

Und selbst der beste Therapeut kann nicht zaubern, selbst eine noch so gute Therapie kann aus einem Mann, der seinen Job haßt, seine Frau nicht mehr liebt und dessen Kinder ihm entfremdet sind, keinen Generaldirektor mit einer Traumfrau an seiner Seite und liebevollen Kindern machen.

 

Sie kann lediglich seine Einstellung zum Leben beleuchten und ihm Hilfestellung geben, das zu ändern, was er ändern kann, um ein glücklicherer Mensch zu werden.